im Cubo: Sheri Avraham

Ausstellung im Cubo: Sheri Avraham – 70 Faces of the Tora
Im Zeitalter der sozialen Medien schreiben wir uns kontinuierlich durch kuratierte Feeds, Stories und Highlights ein. Diese digitalen Spuren werden zu einer zeitgenössischen heiligen Schriftrolle, einem lebendigen Archiv, durch das wir Anerkennung, Zugehörigkeit und Wissen suchen. Unser Online-Ich, sowohl selbst gestaltet als auch von außen auferlegt, fungiert als modernes Ritual der Interpretation und des Glaubens. Innerhalb dieses Raums der Vielfältigkeit, Widersprüchlichkeit und Intersektionalität entfaltet sich Identität als Performance und Verhandlung.
Diese Arbeit ist Teil des größeren Projekts „Mizrachi Futurism“ und ist die Fortsetzung einer Forschungsarbeit, die während Sheris Produktionsaufenthalt im Symposion Lindabrunn im Jahr 2025 begann.
„Mizrachi-Futurism“ ist eine spekulative Ästhetik, die in der Identitätskategorie Mizrachim verwurzelt ist: Juden mit familiären Verbindungen zu nicht-westlichen Ländern. Inspiriert vom Afrofuturismus fungiert er als kulturpolitische Praxis, die aufständische Zukunftsvisionen entwirft, die auf Mizrachi-Geschichten, diasporischem Wissen, Hybridität und antikolonialer Kritik in Kunst, Theorie und Performance basieren. Aus einer Mizrachi- und Queer-Perspektive reflektiert dieses Projekt fragmentierte Identität, Sichtbarkeit und Zugehörigkeit.
70 Gesichter der Tora präsentiert Identität als unendlich interpretierbar. In Anlehnung an den midraschischen Satz „Die Tora hat siebzig Gesichter“ suggeriert das Werk, dass Identität, ähnlich wie heilige Texte, niemals eindeutig oder feststehend ist, sondern fließend, vielschichtig und offen für unendliche Interpretationen.
Was bleibt verborgen, und was wird gezeigt?



