Im CUBO: Pia Mayrwöger – HIER
HIER – Resonanzen eines Ortes
Eröffnung: 24.08. 17:00
mit einer Einführung von Tamina Schönböck

Die Ausstellung präsentiert zwei frühe ortsspezifische Arbeiten von Pia Mayrwöger, die 2016 und 2017 auf dem Gelände des Symposions Lindabrunn entstanden sind. In beiden Interventionen setzte sich die Künstlerin intensiv mit den räumlichen, landschaftlichen und materiellen Gegebenheiten des Ortes auseinander. Ihre Eingriffe besetzen den Ort nicht, sondern erschließen ihn aufmerksam und lassen prägnante Beziehungen zwischen künstlerischer Handlung und Umgebung entstehen.
In Form einer dokumentarischen Präsentation kehren die Arbeiten nun an ihren Entstehungsort zurück. Die Ausstellung ermöglicht eine Wiederbegegnung mit Werken, in denen sich bereits die besondere Sensibilität und Konsequenz von Pia Mayrwögers künstlerischer Haltung zeigen. Zugleich rückt sie das Symposionsgelände als einen Ort in den Blick, der seit vielen Jahren immer wieder zum Ausgangspunkt experimenteller künstlerischer Prozesse und gemeinsamer Erfahrungen wird.
Pia Mayrwöger (*1986 Kefermarkt, † 2025) studierte Experimentelle Gestaltung an der Kunstuniversität Linz. Als freischaffende Künstlerin beschäftigte sie sich mit Arbeit, Produktionsprozessen und dem Verhältnis von Mensch und Maschine. Ihre künstlerische Praxis umfasste temporäre Interventionen im öffentlichen Raum, Objekt- und Rauminstallationen sowie Fotografie und Video. Durch Eingriffe in Alltagsobjekte, technische Geräte und Räume veränderte sie deren Wahrnehmung, Funktion und Bedeutung.

CAT 302.4D*
Intervention 2016, Video, 14 h 21 min
Mit einem Minibagger der Marke Caterpillar gräbt Pia Mayrwöger eine Grube, aus der sie sich anschließend wieder befreit. Barfuß und in einem knöchellangen roten Kleid steigt sie in den Bagger und setzt ihn in Bewegung. Sie lockert eine etwa der Standfläche entsprechende Erdfläche, häuft das Material hinter der Maschine auf und fährt in die entstandene Vertiefung. Dort wendet sie den Bagger und wiederholt den Vorgang.
Schritt für Schritt arbeitet sich die Maschine tiefer in den Boden, bis der hydraulische Arm seinen maximalen Bewegungsradius erreicht. Die technischen Möglichkeiten des Baggers bestimmen den Endpunkt der Aktion. Anschließend kehrt Mayrwöger den Vorgang um und gräbt sich und die Maschine wieder aus der Grube frei.
Die lange Dauer und repetitive Struktur des Vorgangs werden im Video selbst zum Bestandteil der Arbeit.
(*) Die Arbeit entstand 2016 im Rahmen des Projekts „Somewhere to Disappear“, eines zehntägigen Workshops der Abteilung Experimentelle Gestaltung der Kunstuniversität Linz. Konzeption und Leitung: Leo Schatzl, gemeinsam mit Miriam Bajtala und Susi Jirkuff. Technische Unterstützung: Kurt Weckel und Günter Miklenic.

WEISSER RAUM*
Intervention 2017, fotografische Arbeit
„Weißer Raum“ entstand durch einen temporären Eingriff in einem kleinen Waldstück des Symposiongeländes. Pia Mayrwöger besprühte einen ausgewählten Bereich mit Kalk und veränderte dadurch vorübergehend dessen Erscheinungsbild. Das Weiß hebt die Fläche deutlich aus seiner natürlichen Umgebung heraus und erzeugt innerhalb des Waldes eine eigene, beinahe abgeschlossene Zone.
Die Intervention verändert dabei weniger die physische Struktur des Ortes als seine Wahrnehmung. Vertraute Pflanzen, Bodenstrukturen und räumliche Grenzen erscheinen in der weißen Fläche neu geordnet und ihrer gewohnten Umgebung enthoben. Die fotografische Arbeit führt diesen ephemeren Zustand in eine eigenständige bildliche Form über.
(*) Die Arbeit entstand 2017 im Rahmen des Projekts „Loose Harbour“, eines Sommerprogramms mit eingeladenen Künstler und Studierenden der Kunstuniversität Linz. Konzeption und Organisation: Leo Schatzl. Technische Unterstützung: Kurt Weckel und Günter Miklenic.
Konzeption und Umsetzung der Ausstellung: Leo Schatzl


