Fazit 26 – Tage der offenen Ateliers NÖ

Der Verein Symposion Lindabrunn zeigt im Rahmen der „Tage der offenen Ateliers“ der Kulturvernetzung NÖ einen Rückblick auf das Veranstaltungsjahr, und die Ergebnisse künstlerischen Arbeitens vor Ort und von Mitgliedern des Vereins.
Programm
17.10.
Ab 11:00: Ausstellung
13:00 Talk mit Christina Gruber (Wasserökologin, Künstlerin, Aktivistin) über das Datencenter Kronsdorf
14:00 Eröffnung „Haus ohne Geld“ (work in Progress)
15:00 Eröffnung Werkstatt ( work in Progress)
15:15: Daydancing mit dem Erbauer DJ Handgepäck
18:00 Live Konzert & Immersive Video
Golden Diskó Ship und Paula Reissig: POV:BirdMix *
18.10 ab 11:00
Ausstellung
13:00 Workshop Live Remix
Golden Diskó Ship und Paula Reissig: POV:BirdMix
Führung durchs Gelände auf Anfrage
Ausstellung im Ausstellungsraum
Valentina Gruber
Rosa Jahnson Dietz
Golden Diskó Ship und Paula Reissig: POV:BirdMix *
Im CUBO
Veronika Mayer, Elisabeth Wildling: Das Unmerkliche
In der Hörzelle
Christina Gruber: Thirsty Datacenter
Hollis Taylor, Claire Edwardes: Owen Springs Reserve 2014
Marie Lambropoulus: Über die Heuschreckenpopulation
blablabor: fm-alarm-clock-radio-g641-t302-j
Sashe Urdovski: Singing wire
Experimentelle Architektur am Gelände
Aaron Michel
Robert Faul
LIVE: Golden Diskó Ship und Paula Reissig: POV:BirdMix

Jahrelang ist Popmusik den Weg der Reduktion und des Minimalismus gegangen. Und kontinuierlich ist der Ton im avancierten Pop dunkler und ernster geworden. Dazu liefert Theresa Stroetges aka Golden Diskó Ship den Gegenentwurf. Ihre Musik ist prall, farbenfroh und voll von Melodien. Stroetges liebt verschachtelte Satzgesänge, die sich in höchste Höhen schrauben. Wo viele andere Opulenz und melodieselige Komplexität meiden, rückt sie genau diese Qualitäten in den Vordergrund. Die durchweg positive Grundstimmung ihres treibenden Über-Popist extrem mitreißend. Gleichzeitig ist sie für die Künstlerin eine Bewältigungsstrategie in der Polykrise unserer Gegenwart. In ihren Livesets präsentiert Golden Diskó Ship eine brodelnde Mixtur aus Krautrock, Breitwand-Clubmusik, 80ies Pop und Disco (sic!). Trickreiche Rhythmik und ausgefeilte Arrangements werdendem Publikum mit einem Lächeln untergejubelt. Im fliegenden Wechsel bedient die Multiinstrumentalistin Gitarre, Viola, Perkussion und jede MengeElektronik. Beste Unterhaltung für Fans eigenwilliger und tanzbarer Popmusik.Mit ihren Live-Videos erweitert die Medienkünstlerin Paula Reissig das Musikprogramm um den Bereich interaktiver Visuals. Zu den Stücken von GoldenDiskó Ship hat Reissig ein Remix-Game entwickelt, das sich kostenlos im Browser spielen lässt. Musikalische Elemente werden visuellen Objekten zugeordnet, die vom Publikum ohne musikalische Vorkenntnisse geremixt werden können. Künstlerin und Publikum tauschen die Rollen, ein fertiges Musikstück wird partizipativ neu aufgerollt. Bei den Konzerten wird Paula Reissig das Remix-Game live zum Konzert präsentieren und in einem anschliessenden Workshop vom Publikum ausprobieren lassen.
* mit freundlicher Unterstützung von

Valentina Gruber: Zwischen Krisen und Wiesen, 2026
Fotoprint, Vinyl
Ich will im Sand baden und auf die Wiese klettern,
will die Sterne entladen und die Sonne zerschmettern,
will weiter schreiten und für immer innehalten,
will los in alle Weiten und mich in mir selbst zusammenfalten,
will im Salzwasser sehen und im See tanzen,
will durch Höhlen durchgehen und Steine pflanzen
will frei und ganz allein sein,
will dabei und für immer dein sein,
will im Schnee schwitzen und am Strand erfrieren,
will Gipfel besitzen und Täler regieren,
will euch alle und niemanden kennen,
bis ich falle und sich unsere Wege trennen.
Rosa Jansohn Ditz – Papierarbeiten
Rosa arbeitet seit 2 Jahren an einem der Steinarbeitsplätze am Symposion Lindabrunn. Sie zeigt erstmalig bei Fazit 26 ihre neuen Steinarbeiten sowie Arbeiten aus Stein und Papier, auch in Kombination mit Garnen.
Die Arbeitsweise der Künstlerin ist eine intuitive und prozesshafte, die zu einem Dialog mit dem entstehenden Werk führt.
Der Prozess des Entstehens eines Werkes beruht auf einem Wissen, das komplex und vielschichtig jenseits von Sprache stattfindet, das Publikum emotional berühren möchte.

Veronika Mayer, Elisabeth Wildling: Das Unmerkliche
Wahrnehmung ist ein aktiver, formender Vorgang. Sie wählt, verdichtet und lässt Wirklichkeit entstehen. Aus dem gemeinsamen Alltag – im Beobachten, Hören und Vergegenwärtigen – entfaltet sich eine ortssensitive künstlerische Praxis, die der Situation antwortet, statt sie abzubilden. Diese Haltung prägt die einwöchige Zusammenarbeit zweier Artists in Residence und beruht auf Präsenz, Wiederholung und Verweilen.
Makroaufnahmen öffnen den Blick für das Unmerkliche – für Übergänge und feine Verschiebungen von Licht, Klang und Stofflichkeit. Situativ eingesetzte Materialien fungieren als vermittelnde Filter, die Licht- und Schattenspuren sowie klangliche Partikel strukturieren.
Die daraus hervorgehende Installation folgt einem relationalen Verständnis sinnlicher Orientierung: als fortwährender Prozess aktiven Gewahrwerdens, in dem heterogene Umgebungen, Erfahrung und künstlerische Setzung in Resonanz treten und einander antworten.
Experimentelle Architektur
Robert Faul: Werkstätte
Das Diplomprojekt von Robert Faul beschäftigt sich mit der Transformation eines bisher als Werkzeugschuppen genutzten Raumes zu einem Atelier und Workspace.
Zielsetzung ist es, den Bestand so zu erweitern, dass ein qualitativ hochwertiger Arbeitsraum entsteht, der für kreative, theoretische und praktische Tätigkeiten geeignet ist, während die notwendige Funktion der Lagerung erhalten bleibt. Dabei werden bestehende Materialen wiederverwendet und und recycelte Materialien einbezogen. Es entsteht eine zweistöckige Werkstatt, die im unteren Bereich Arbeitsraum für Holz-und Metallarbeiten bietet, während im oberen Bereich 3D-Druck, Elektrowerkstatt sowie die Funkstation von Metafunk ihren Platz findet. Durch den Zusammenschluss von 2 Seecontainern und eine Erweiterung in Holz – und Stahlbau wird der Raum vergrößert und zwei funktionsbezogene Arbeitsräume mit Ausblick in den angrenzenden Steinbruch geschaffen werden.
Die formale Aussengestaltung schliesst an das Gesamtbild an und setzt mit durchdachten Details direkt an den durch Natur und Bestand vorhandenen Gegebenheiten an. Die Textilfassade des oberen Bereiches zeigt eine Abbildung des Spektogrammes des Funksignales der Amateurfunkstation und bildet somit eine schlüssige Umsetzung von materiallem und immaterieller Aussenhülle.
Im Rahmen dieses Prozesses werden Entwurf und Umsetzung in einem kontinuierlichen Lernprozess miteinander verknüpft. Die Architektur wird verstanden als fortlaufender Prozess, als Werkzeug der Wahrnehmung und des Dialogs.Das Projekt wird so zu einem praktischen und theoretischen Experiment über die Frage, wie minimale Interventionen Impulse für kulturelle, räumliche und ökologische Weiterentwicklung geben können. Der Entwurf eines Ateliers wird hier nicht als Ziel, sondern als Mittel zur Erforschung einer Idee betrachtet: jener, dass kleine, präzise gesetzte Eingriffe Resonanzen erzeugen können – im Raum, im Denken und in der Gemeinschaft.

